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David Gilmore

David Gilmore

Mittwoch, 13 Oktober 2021 10:54

Worauf bist Du heute die Antwort?

Worauf ist Humor die Antwort? Die neuerlichen Fragen eines Journalisten: Wie bist Du Clown geworden? Was ist für Dich Humor? Wie sind Sie nach Deutschland gekommen? Sie bringen mich wieder dazu, anzuerkennen, wie persönlich diese Fragen sind.

Clown Kopfstand KL

Da habe ich schon etwa 100 Seiten vom geplanten Buch: Vorläufiger Titel - „Das Ziel ist im Weg“ geschrieben und dachte: Ich hätte das Thema: Humor sehr eingehend "behandelt" und "beschrieben". Es war mir auch klar, dass ich dies mit vielen Beispielen begleite. Die Rückmeldung des Verlags traf mich doch: Was ich bisher geschrieben hätte, sei ihm dem ersten Buch zu ähnlich. Die Rückmeldung machte mir aber deutlich, eben nicht von der unmittelbaren Erfahrung weder von mir noch von meinen TeilnehmerInnen ausgegangen zu sein. Auf der einen Seite wollte ich zeigen, dass Humor und Komik seine "Regeln und Gesetzmäßigkeiten" haben. Dafür hatte ich andererseits das Grundbedürfnis, wozu wir Humor brauchen, weggelassen. Ich wollte nicht zu "persönlich" werden und Leute mit meiner "Geschichte" langweilen oder sie mit eigenen Dramen "herunterziehen".

Zwar gibt es „Gesetze der Komik“ und „Regeln der Bühne und der Improvisation“: Sie bedeuten nichts ohne das, was ein Spieler oder eine Spielerin wahrhaftig bewegt. Gerade die "Dramen" waren es, die mein Bedürfnis nach dem Spiel und dem Spielraum besonders herausforderten und mich motivierten, einen anderen Weg zu gehen. Gerade das motivierte mich, Humor nicht nur zu meinem Weg zu machen, sondern ihn als eine grundsätzliche Fähigkeit zum Freiraum und zur Lebensfreude, die in der Struktur eines jeden Menschen wieder zu finden ist.  Ich sehe ihn jetzt ein wesentlicher Bestandteil unserer seelischen Gesundheit an. Was erleben wir denn als "Drama", wenn nicht ausweglose Situationen, in denen wir uns ohnmächtig, isoliert und unfair behandelt fühlen? In solchen Situationen wird oft versucht, uns gar die Bewertung der Situation aus der Hand zu nehmen: Wir sollten uns nicht darüber aufregen, sollen uns damit abfinden, sie "mit Humor nehmen". Mein Vater sagte immer: "Bringe das Boot nicht zum Kentern!" oder "Was kann man da machen?" "Nicht viel", lautete seine Antwort. So hörte sich die Grundlage seines alltäglichen Humors an.

Schön finde ich es, wenn ich solche Rückmeldungen bekomme: "Ich denke sehr gerne an unsere Seminarerfahrungen in Köln und im TuT von letztem Jahr zurück. Um ehrlich zu sein, sehne ich mich etwas nach Deiner Arbeitsmethode. Diesen professionellen Erfahrungsschatz, den Du an uns vermittelt hast und die sensiblen Einblicke in Deinen persönlichen Werdegang, die Du uns zu Teil hast werden lassen, haben mich tief beeindruckt. Die Erkenntnisse die eigenen Esel auch als Freunde zu sehen hat mich persönlich, auch im Alltag unglaublich weiter gebracht und tut es jeden Tag aufs Neue.


Was mir wichtig erschien in unserem Kurs, war für mich auch vor allem, das Ansehen [auch] der eigenen destruktiven Gefühle. Ich hatte den Eindruck, Du selbst vermittelst da hin gehend keinen verklärten oder vertuschenden oder wertenden Blick. Ich hab mich dahin gehend sehr gut angenommen gefühlt und eine Chance gesehen, künstlerisch und schöpferisch mit meiner Energie, die eben auch mal aus Frust, Wut oder Trauer besteht, umzugehen. Auch das Beobachten der GrupenteilnehmerInnen, in Bezug auf Ihre innere Konfliktenergie, hat mir sehr gut getan.

Den eigenen kleinen Impuls zu spüren, ihm Raum zu geben und durch die Vergrößerung des Impulses ein Thema sichtbar zu machen, dass mit der eigenen Persönlichkeit zusammen hängt, ist mir innerlich seid unserem Kurs stets ein innerer Motor, der mir nie langweilig wird und mir Sicherheit schenkt auf mein eigenes Spiel zu vertrauen. Die körperliche und persönliche Erkenntnis, die ich dadurch erfahren durfte, prägt mein clowning durchgehend.
Danke dafür, dass Du mit persönlicher Feinfühligkeit und intellektueller Entschlossenheit unsere Truppe damals so respektvoll und herzlich geführt hast.
Für mich, war Deine "unterstützende Pädagogik" ausschlaggebend, mich auch weiterhin auf den Weg des Clowns zu begeben."

Es waren gerade die Weggabelungen, Meilensteine, Phasen, Impulse (und auch die Träume), die bei mir Fragen aufwarfen, auf die ich Antworten suchte. Um eine Chance zu haben, diese Fragen zu beantworten, brauchte ich den seelischen Spielraum, um meine Wünsche zu erkennen (und ebenfalls zu erkennen, was ich nicht wollte). Um mein Lachen und meine Lebensfreude wieder zu finden und als zentral anzusehen, wie ich es heute tue, brauchte ich viele solche Erfahrungen, die mich im Kleinen jeweils von meinen Dramen, aus meiner Lethargie und von depressiven Stimmungen "gelöst" haben.  So freue ich mich heute darüber, oft die Antwort auf die eigenen Fragen und die eigenen Dramen geworden zu sein und immer wieder zu werden. So kann mein eigener Weg dienen, andere Menschen erfolgreich zu begleiten.

 

Sonntag, 05 September 2021 11:55

Theater im Wald

Juni 2019 hat mich Silke Karl, Leiterin und Spielerin beim Theater visàvis in Pforzheim, gebeten, für ihr neues Stück: Jorinde und Joringel Regie zu führen. Oktober 2019 war dann Première. Jetzt geht es um ein neues Projekt: "Theater im Wald". Montag fangen wir mit den Proben an.

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Diesmal ist die Grundlage das Märchen "Frau Holle". Dieses Märchen habe ich 1995 mit meinem Kindertheater "Picobello" inszeniert. Wir werden noch sehen, ob meine Vorlage für diese Produktion hilfreich ist. Ich hatte damals das Stück für fünf Spielerinnen inszeniert. Silke arbeitet seit längerer Zeit mit Ute Münch, einer professionellen Klarinettistin, zusammen. Auch hier müssen wir schauen, wie wir das Stück - auf die beiden abgestimmt - inszenieren. Dazu kommt, dass das Stück für draußen konzipiert werden soll, nicht zuletzt damit es auch in Zeiten der Epidemie unter Einhaltung aller Hygienebestimmungen vor Kindern aufgeführt werden kann.

Silke und Ute haben gerade den Verein:
"Kultur aus der Scheune e.V." gegründet. Als gemeinnütziger Verein ist es ihnen gelungen, für die Entwicklung und Aufführung dieses Stücks in Schulen von der Baden-Württemberger Stiftung in Stuttgart gefördert zu werden. Ich war dabei, als sie die Bestätigung dafür bekamen. Sie waren beide zurecht sehr aufgeregt, froh und sehr erleichtert. Die kommenden drei Tage arbeiten wir im Hotel Teuchelwald in Freudenstadt intensiv daran. Nächste Woche genauso. Im Oktober werden wir weiter am Stück arbeiten, so dass am 15. Oktober die Première stattfinden kann. Darauf freue ich mich sehr. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Donnerstag, 29 Juli 2021 17:36

Ein voller Monat

Es war ein voller Monat voller Abschlüsse und Vorbereitungen auf 2022. Auch erleben wir einen Übergang vom Lockdown mit oder ohne Online-Angebote zur Präsenz-Zeit. Kann man die beiden Verbinden? Und gleich steht die nächste Veranstaltung steht bevor. Montag fahre ich zum Clowncamp.

DSC 0286 KLIn diesem Monat sind einige längere Veranstaltungen zu Ende gegangen: Die Jahresgruppe 1, die im Dezember anfing und hauptsächlich online gelaufen ist. Erst die beiden letzten Abschnitte waren "in Präsenz". Die Jahresgruppe 2, die eigentlich schon Oktober 2020 hätte abgeschlossen werden sollen, wurde erst gerade im Juli zu Ende gebracht. Was mir eine besondere Freude machte, war die Bereitschaft am Ende, doch einen "Narrensprung" zu machen und beim letzten Abschnitt auf die Bühne zu gehen, auch wenn bei der einen Gruppe "nur" acht eingeladene Gäste und bei der anderen Gruppe zwei dabei waren. Tatsächlich reichten sie, um die notwendige Atmosphäre eines Auftritts herzustellen.

Doch ist der kurzen "live"-Zeit und im Fall der zweiten Jahresgruppe nach einer langen Zwangspause (sie wollte keinen Online-Abschluss machen) war genügend Vertrauen angesammelt, dass die (vorwiegend) TeilnehmerInnen in der Lage waren, ihre Ängste in Energie umzuwandeln und sich auf das Spiel zu konzentrieren. Sie zeigten sich in ihrer Spiellust und konnten auch mit ihren eigenen Prägungen spielen, so dass das Publikum nicht nur einiges zu lachen hatte, sondern auch nachvollziehen konnten, wie die Komik zustande kam. Die Zuschauer kannten die SpielerInnen Dich und waren sehr angetan und berührt, wozu sie in dieser Zeit im Stande waren zu inszenieren. Der Auftritt ist zwar nicht das Ziel der Jahresgruppen, aber ein wichtiger Höhepunkt, der einen Narrensprung erfordert. Ich freue mich, wie dies in den allermeisten Fällen gelingt und die TeilnehmerIn selbst überrascht!

 

Auch eine Online-Clowngruppe, die nach dem Tod ihres Lehrers Dieter Bartels von der Schule für Tanz, Clown und Theater (TUT) im Lockdown nach Zusammenhalt und nach einer Weiterführung suchten, habe ich selbst beendet, als ich merkte, dass Urlaubspläne und die Suche nach "live"-Veranstaltungen sowie die Weiterbildung zum Klinikclown mehr Raum einahme, bevor die geplanten fünf Treffen beendet waren. Positive Rückmeldungen wie diese tun gut:

 

"es hat mir sehr viel Freude bei Dir gemacht, ich habe eine Menge gelernt und mag Deinen Ansatz „Clown, Humor und das Leben an sich“. Besonders gut fand ich deinen Hinweis, immer bei sich selbst anzufangen, wirklich ins Spüren und Wahrnehmen zu kommen, ganz körperlich, emotional - raus aus den erdachten Kopfgeschichten - einfach so sein, wie es in dem Augenblick eben so ist. Das Kleine größer werden lassen und den Mut haben, sich - auch öffentlich - mit sich selbst zu beschäftigen. Das erfordert den Mut der absoluten Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Das ist toll. Ich nehme also ein ganze Menge mit ..."

Montag geht es weiter zum jährlichen Clowncamp - in diesem Jahr in Zierenberg an den Helfensteinen im Haus Lebensbogen. Dreißig TeilnehmerInnen plus drei im Team. Dabei fünf Kinder. Viel Narrenfreiheit, Lebenslust und Spiel steht uns bevor.

Kaum war Winter, jetzt ist alles weg! Gerade hat es wieder so viel geregnet, dass das Grün wieder hervorkommt. Stromausfälle hatte wir auch die Woche gehabt. Zum Glück nicht während meiner Online-Seminare.

Montag – noch beim jährlichen Treffen der Gruppe: „Lebendiges Lernen“ mit 14 Teilnehmer*Innen – konnten wir, die im Schwarzwald leben, den anderen Online-Teilnehmern aus anderen Teilen Deutschlands eine weiße Pracht mit dem Notebook zeigen.

Schnee IMG20210115113839 KLInzwischen habe ich nicht nur die beiden ersten Teile der ersten Jahresgruppe online angefangen, sondern auch den ersten Teil der zweiten Jahresgruppe. Zwei offene Seminare „Das Feuer wieder wecken“ und „Das Ziel ist im Weg“ (für die Clownschule in Hannover (TUT) habe ich im Januar auch durchgeführt. Und im Februar bin ich dabei, am 12.2. einen Erlebnisabend und am 13./14.2. mein Basisseminar: „Humor und die Kraft des Lachens“ online zu organisieren. Ich kläre auch gerade, ob ich anstatt eines 5-tägigen Spielertrainings 3 Regietage anbiete. Es sieht so aus, dass ich vom 26.-28. Februar per zoom Einzelunterricht mit Spielberatung anbiete. Interesse haben manche schon bekundet.


Wahrscheinlich wird es eine ganze Weile so weitergehen. Viel sprechen gern von „Krise als Chance“, bis wirklich eine Krise da ist. Viele wehren sich gegen den Einzug der online-Begegnung, auch weil sie nicht möchten, dass es „normal“ wird. Und dann ist nicht jede/r so technisch eingestellt oder versiert, dass man sich „traut“ oder auch nur Lust hat, sich auf diese Art einzulassen. Das kann ich schon verstehen.

Ein Gemisch aus vielen Gefühlen machen sich breit. Sieht es bei Dir beim bloßen Gedanken an Online-Seminare auch so aus? Ich ziehe Begegnungen „in Person“ auch vor. Ich kann aber von den letzten Erfahrungen berichten, dass wir einander tatsächlich begegnet sind. Gar haben Teilnehmer*Innen erstaunt berichtet, dass der Raum vertrauensvoll war. Sie konnten sich zeigen und fühlten sich gar weniger gehemmt in ihrem eigenen Raum als wenn sie sich unter fremden Menschen zeigen „müssten“.

Ich bin über die Möglichkeiten froh, die mir die Technik als Seminarleiter bietet und lerne durch die Praxis, wie Zusammenspiel, Bühne, Runden und kleine Vorträge und Erklärungen sich einander ablösen und unterstützen, um das Gesamterlebnis lebendig zu gestalten und Spielfreude zu vermitteln und Spontanes zu ermöglichen. Jetzt kommt es wirklich nur noch auf mich an, Auftritte, Lernangebote, Austausch, Begleitung und Regie auf diese Weise in die Tat umzusetzen. Gleichzeitig freue ich mich darauf, Euch wieder in Person zu begegnen – auch maskiert.

Lasst uns also die virtuellen Spielräume nutzen und uns überraschen, wie persönlich sie sein können und hoffen, dass die Entwicklung und die Mitwirkung unserer Zeitgenossen uns bald wieder erlauben, zu reisen und uns wieder in Person zu begegnen.

Einen interessanten Artikel mit einem Interview mit mir zum Thema findet Ihr im Schwarzwälder Boten.
Um den Artikel lesen zu können muss man sich allerdings kostenlos registrieren. Bleibt gesund, lebensfroh, gelöst und gelassen.

Montag, 21 Dezember 2020 11:20

Im Einklang mit unserer Natur

„Glückselig also ist ein Leben, welches mit seiner Natur im Einklang steht“ (Lucius Annaeus Seneca). Eine Weihnachtsbotschaft? "Auch im Sturm bleibt der Baum standhaft und sich treu": Ein Motto fürs Leben, nicht nur für Zeit zwischen den Jahren - die Zeit des Narren.

IMG20201224081231 KLIch nehme die „Zwischenzeit“ als meine Gelegenheit wahr, meine besten Wünsche für das kommende Jahr an alle zu senden, die ich durch die Kraft des Lachens kennen gelernt habe. Die Zwischenzeit ist in vielen Traditionen die Zeit des Narren. Der Raum dazwischen erlaubt eine andere Perspektive auf sich und die Welt.

Danke an die, die mich über lange Jahre unterstützt und ermutigt haben und die sich immer wieder mal melden.

Eure anerkennende Rückmeldungen sind mir eine willkommene Bestärkung. Es ist für mich schön zu erfahren, wie manchmal eine einzige Begegnung immer noch für das eigene Leben einen wesentlichen Impuls gab.

Danke an die, die ich dieses Jahr kennen lernen durfte. Ich freue mich immer wieder, so unterschiedliche Menschen und ihre Welten zu erleben. Auch bedanke ich mich dafür, dass Ihr die Maßnahmen mitgetragen habt, ohne die wir uns nicht hätten treffen können. Trotz dieser Einschränkungen war es mit Eurer Mithilfe möglich, unseren Humor miteinander zu stärken und eigene Wege für die eigene Entwicklung zu finden - auch mit dem Virus.

Danke auch an alle Veranstalter, für die dies natürlich genauso gilt. Ihr musstet mit ganz schön vielen Bestimmungen und Einschränkungen zurecht kommen, die auch Eurer Existenz in Frage gestellt haben.

Dieses Jahr ist für uns alle gesundheitlich eine Herausforderung gewesen. Unsere familiären und persönlichen Beziehungen zu pflegen und manchmal überhaupt noch möglich zu machen, erfordert viel Kraft, körperlich wie emotional. Es hat unsere Wahrnehmung für das uns Wesentliche geschärft. Vielen hat es deutlich gemacht, wie wir aufeinander angewiesen sind, wie wir uns brauchen - ob wir uns kennen oder nicht. Eine solche Krise, wie jede Krise, zeigt auf, was uns verbindet. Bedauerlicherweise trennt uns auch Vieles.

Mein Bestreben ist es, unseren Humor zu stärken. Das heißt nicht allein, dafür zu sorgen, dass wir mehr lachen.

Humor heißt für mich Lebendigkeit, Ausdruck, Beziehung, Menschlichkeit, Spielraum. Diese Grundfähigkeiten und Bedürfnisse sind zentral dazu, Mensch zu bleiben, wie wir dies auch von anderen wünschen. So finden wir immer wieder die Freiräume, welche Spiel, Witz und kreatives Handeln ermöglichen. Menschen wollen sich verbinden, hoffen und freuen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch mehr Humor, mehr Narrsein, nicht nur im kommenden Jahr. Anders ausgedrückt: „Liebe Deinen Esel wie Dich selbst“.

Das Ergebnis einer Wahl: Menschen, die sich freuen, weil sie sich frei fühlen; die lächeln, weil sie wieder Hoffnung schöpfen; die feiern, weil sie wieder frei atmen können. Für diejenigen, die vier Jahre lang sich besonders gegängelt gefühlt haben, öffnet sich das Herz.

Buddha20200808 135419 KLAuf der anderen Seite: Menschen, die sich ärgern, weil sie verloren haben; die das Ergebnis leugnen, weil er "falsch" sein muss; die Gründe finden, wie der Ausgang einfach nicht sein kann. Diejenigen, die vier Jahre lang meinten, endlich allein das Sagen zu haben, nach Jahren des Gefühls ignoriert worden zu sein, fühlen sich jetzt beraubt und suchen daher nach den "Dieben".

Kann es sein, dass gerade diese Haltung der Stoff ist, aus dem "Verschwörungstheorien" entstehen? Das sind wohl Versuche, die Komplexität der Welt und auch das empfundene Unrecht auf einfache Beweggründe zurückzuführen und daraus zu folgern, dass alle wohl insgeheim zusammenarbeiten, die mir mein Glück nehmen, obwohl es auf der Oberfläche nicht so aussieht. Das muss ein Trick sein. Das muss so sein, wenn im Endergebnis immer eins feststeht: "Am Ende bin ich der Gelackmeierte".

Die Freude der Befreiung hält trotzdem wohl weniger lang an als das Gefühl, betrogen worden zu sein, ungerecht behandelt worden zu sein, immer den kürzeren zu ziehen. Dieses Gefühl kann lange - sehr lange - anhalten. Das eben erzielte Wahlergebnis ist auch eine Folge des Gefühls, dass das Recht der Gewinner nicht nur vorher auf wackeligen Füssen stand, sondern gerade von denen in Frage gestellt worden ist, die vor vier Jahren sich freuten und heute überall Betrug wittern.

Was sie eint, ist das Leugnen dessen, was für die anderen Tatsache ist. Meine Frau sagt ja immer: "Ich mag nicht immer recht haben, aber irren tue ich mich nie."
("I may not always be right, but I`m never wrong"). Womit sie wohl recht hat. Was ich nicht wusste: Sie zitiert dabei - ohne es zu wissen - den amerikanischen Filmproduzenten Samuel Goldwyn (von den Filmstudios: United Artists und MGM). Und er war wohl in seinem Bereich ein kleiner Diktator.

Um so etwas behaupten zu können, muss man viel Selbstvertrauen mitbringen und den Anspruch haben, durchzublicken, wo andere keine Ahnung haben. Das hatte ich eigentlich nie. Ich wollte immer die andere Seite verstehen und das schwächte ständig meine Position. Ich fühlte mich oft zwischen zwei Stühlen. Zwischen streitenden Parteien wollte ich immer der Unparteiische sein und darauf hinweisen, wie eigentlich in gewisser Weise beide recht haben bzw. das Recht auf ihre Position, auf ihre unterschiedliche Sichtweise - einfach weil sie sich unterscheiden. Man müsste die Position des Anderen verstehen.

Es sei denn: Ich habe recht. Dann hört der Spaß natürlich auf.

Was all meine Angebote miteinander gemeinsam haben, ist der Wunsch, Humor als eine menschliche Fähigkeit zu vermitteln, die zentral zu unserer geistigen und seelischen Gesundheit ist. Er ist zentral zu unserem generellen Wohlbefinden. Er lehrt, wie mit unserer inneren und äußeren Realität umzugehen. Das ist ein Grundbedürfnis von uns allen.

Die ersten zehn Tage im Oktober waren wieder Reisetage. Jeweils 12 Teilnehmer*Innen zeigten sich bereit, in Dresden, Wien und Hannover den Spielraum des Clowns kennen zu lernen bzw. Weg zu finden, ihn in ihren persönlichen und beruflichen Alltag zu integrieren.

022GilmoreIch bin selbst froh, seit Juni wieder arbeiten zu dürfen. Teilnehmer*Innen sind nicht minder froh. In Dresden gerade bot ich bei der Ev. Erwachsenenbildung Sachsen wie jedes Jahr einen Erlebnisabend an und im Anschluss ein Wochenendseminar zum Thema: Der eigene Clown – Humor und die Kraft des Lachens. In Wien gab es die Fortbildung „Gelöst lösen“ (bei pro mente Akademie). In der Clownschule TUT, Hannover gab es den letzten Teil der Fortbildung: „Humor und Gesundheit – Die Kraft des Lachens“.

In allen Seminaren bildet die Übereinstimmung von Körper, Gefühl und Stimme die Grundlage, dann folgt „Angleichen“, „Aktion/Reaktion“, „die drei Grundgegensätze“, das „Umarmen des Esels“ und die Entstehung der Komik des Clowns durch die Grundfähigkeiten der Reduktion und Verstärkung („100%/360°“). Es geht um die Fähigkeit, den Ernst zu "umarmen" und für Freude und Lebendigkeit zu stehen. Zentral ist der Umgang mit der roten Nase als Werkzeug und die Fähigkeit, ins Spiel ein- und wieder aus zu steigen.

Am Anfang . Diese Übungen lassen sich genauso gut auf den Alltag anwenden wie auf die Entwicklung einer Clownfigur oder die Erweiterung des eigenen Humors. Es geht erst einmal darum, den eigenen Spielraum zu entdecken und nach und nach wie wir Persönliches in Spielmaterial umwandeln.

Auch in den Fortbildung wie in Wien geht es darum, Spielraum im beruflichen Alltag – hier im sozial-psychiatrisch-pflegerischen Bereich - mehr Raum für sich im Umgang miteinander und mit Bewohnern/Patienten/Klienten zu schaffen. Es geht einmal um die eigenen spielerischen Fähigkeiten und den eigenen Humor, um den Humor mit Klient-, Patient- und Bewohner*innen und um den Humor in den jeweiligen Organisationen. Dies findet sich wieder in einem von mir entwickelten „Humorkompass“, der dem Verständnis aller praktischen Übungen dient, besonders im beruflichen Bereich. Humor ist ja schon komplex, selbst wenn Komik, Lachen und Leichtigkeit so offensichtlich und selbstverständlich erscheinen. Alle lachen doch gerne, oder.

Gute Stimmung, viel Leichtigkeit und viele Anregungen zum Mitnehmen und Besinnen.... Ich freue mich auch jedesmal.


Montag, 21 September 2020 12:13

In Andenken an Dieter Bartels

Letzte Woche während meiner Reise erfuhr ich vom plötzlichen Tode eines maßgeblichen Mitglieds des TUT (Schule für Tanz, Clown und Theater) in Hannover, von dem ich gerade kam - Dieter Bartels. Ich trauere um den Verlust seines fröhlichen und ermutigenden Wesens.

Dieter BartelsEr war eine Seele von einem Menschen, der viele nicht nur in ihrem Werden zum Clownspiel begleitete, sondern sie auch seelisch bestärkte. Ich traf ihn nur hin und wieder im Büro, mal zwischen Tür und Angel. Er nahm immer gerne Zeit und es war immer eine Freude, mich bei ihm zu entspannen und Fröhlichkeiten auszutauschen. Seine Fröhlichkeit gründete auch auf einem Ernst - nachdenklich und lebensfroh. Er war ein echter Mensch.

Es tut mir leid, ihn betrauern zu müssen. Ich habe mir erlaubt, dieses schöne Foto von ihm von der TUT-Webseite Euch zu zeigen. Mag er immer in unserer guten Erinnerung bleiben, auf dass er weiter in unserem Leben wirkt.

Montag, 21 September 2020 11:06

Humor im Ernst unterwegs

Sitze in der Südstadt in Köln und genieße die Grossstadtatmosphäre. Bereite mich innerlich auf die kommende Fortbildung: "Humor ist mein Ernst" (Bildungsurlaub bei LiWe.V.) vor, auf die neuen Menschen, auf ihre Lust am Spiel. Wie gibt es im Alltag den Raum für Humor? Auch im Berufsalltag lachen und gelöst sein?

Frühstück in der GroßstadtDie Joseph-Straße in der Südstadt in Köln war letzte Woche mein Arbeitsplatz. Hier startet der Kölner Karneval. Ich fühle mich hier heimisch, auch wenn ich nicht hier zu Hause bin. Die Woche war intensiv, berührend, humorvoll und teifgehend. Ich glaube, dass alle persönliche, passende Anregungen für sich in ihrem Alltag bekommen haben.

Ich bin dann im Anschluß an dieses Seminar am Freitagnachmittag gleich weiter nach Aschaffenburg gefahren. Dort im Märchentheater in der Steingasse bei Hilde Stapf biete ich schon seit langem regelmäßig Wochenendkurse an. Sie wiederum hat vor genau 15 Jahren den Sprung gewagt, mitten in der A`burger Altstadt ein Theater zu gründen, in dem sie selbst mit ihrem damaligen Partner und anderen Mitgliedern in der Hauptsache für Kinder spielt.

Ich bot ein Seminar an, das ich gerade neu entwickele: "Gelöst und ermutigt im Alltag - das Feuer wieder wecken!" Hier geht es darum, mit bekannten Begrenzungen umzugehen und das innere Feuer wieder anzufachen. Schräg gegenüber eingebettet zwischen den Pflastersteinen Stolpersteine, die an die Zeit erinnern, in der Angst sich mit Macht zusammen tat und millionenfach Unheil und Mord beging. Ich kann nicht anders, als die Ermordeten an diesem jüdischen Neujahrstag betrauern und sich mit ihnen verbunden fühlen. Das entfacht mein Feuer und das Mitgefühl in mir. Ob sie verstehen würden, dass ich hier lebe, arbeite, lache und mich wohl fühle...?

Stolpersteine in Aburg

Hilde zeigt mir im Anschluß an das Seminar, dass das Rabbinat gerade um die Ecke befindet. Dort stand bis 1938 die Synagoge und der ganze Platz ist ein Andenken an die Taten von damals...

Sie erzählt mir auch, dass Ihr Vater - vom Beruf Schreiner - nach dem Krieg genau die Möbelstücke wieder zusammenbaute und nach Amerika an die Familien schickte, die er bei der deren Enteignung auseinander baute und für sie verstaute. Ein Beispiel für den Mut, der immer wieder Hoffnung gibt.

Dienstag, 25 August 2020 11:29

Spielräume auf Reisen

Eine reisefreudige und erlebnisreiche Zeit: Clowncamp in Wusterwitz, Fortbildungen in Hannover und Südtirol, Spielertraining in Luzern und jetzt wieder die zweite Jahresgruppe in Freudenstadt....  Spielräume schaffen, Raüme für Humor und Spiellust öffnen.

Es ist ein noch warmer Sommerabend. Ein schwarzer Vorhang als Hintergrund und zwei Stühle als Begrenzung: Die Abendbühne ist eröffnet. Das Publikum sitzt, redet aufgeregt miteinander über den gerade erlebten Tag, über die Hitze, über den See, über das Spiel am Morgen.... Auch Vertreter der Gemeinschaft Aloha sammeln sich. Sie haben erlebt, wie die Gruppe immer lebendiger, freudiger und gelöster wird, wie sie den Platz ganz übernimmt und belebt. Und der Platz wunderschön an einem kleinen See gelegen, mit den beiden Storchpaaren auf benachbarten Kaminen, wird morgens Zeuge von angeleitetem Clownspiel, Zusammenspiel, Tanz und Lebensfreude. Immer mit roter Nase, mit Gesichtsvisieren und manchmal mit Hilfe von bunten Spielseilen, um Kontakt über die nötige Distanz herzustellen.

IMG20200803192639 KL WusterwitzDen Auftritt leite ich jeden Abend an. Ich baue die improvisierten Clown- und Theaterübungen auf die Erfahrungen des Vormittags auf. Die Kinder (6J bis 11J) sind heute Abend auch wieder dabei. Sie spielen jeden Abend mit. Vormittags bekommen sie eine eigene Betreuung durch Claudia und Sabine. Besonders gefällt Ihnen das Spiel mit den "Cafés", die ihnen auf einfache Weise erlaubt mit den Erwachsenen mitzuspielen. Auch den Erwachsenen gefällt dieses Spiel, die eine witzige Szene dadurch schafft, dass zu dritt alle als Gast oder Bedienung (wie`s kommt) deswegen in dieses Café kommen, um so sein zu können, wie sie sein wollen. Ob ärgerlich, ob wohlwollend, ob ängstlich, ob alleinbestimmend, ob leidend, ob hilfreich: Sie fühlen sich wohl, so zu sein. Das übt, eine Eigenschaft durchzuhalten und zeigt auch, wie Komik entsteht - nicht dadurch, dass man "witzig" sein will, sondern indem man ernsthaft etwas vertritt, was schon in der Steigerung oder Verstärkung zum Lachen reizt und Heiterkeit auslöst.

Es geht immer dabei darum, Spielraum zu schaffen. Ob bei der Fortbildung Humor und Gesundheit in der Clownschule in Hannover, ob für LehrerInnen der Mittel- und Oberschule im Südtirol beim Bildungszentrum Kloster Neustift (meine erste Auslandsfahrt seit langem), ob beim Spielertraining in Luzern (Theaterpavillon) und dann gerade bei der Intensivwoche der zweiten Jahresgruppe im Kurhaus Freudenstadt, immer geht es um den eigenen Spielraum und die Voraussetzuungen dafür. Die meiste Zeit bei heißen Temperaturen!

Gerade gehören auch Social Distancing, Masken, Gesichtsvisiere und Spielseile (2m) dazu, um einen sicheren Spielraum zu schaffen. Wir sind allel froh, auf diese Weise den sicheren Rahmen dafür zu schaffen, dass wir Raum schaffen für das, was unserem Humor zugrunde liegt: Spielraum, über den wir verfügen und mit anderen teilen können. So konnten wir spielen und lachen miteinander und dabei genießen und lernen... Eine gute Zeit.

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